
ab 15 €Was passiert, wenn eine Schauspieler:in auf die Bühne kommt und nicht weiß was sie dort erwartet?
Sandra Hüller hat es getan. Michael Sheen auch. Christoph Maria Herbst ebenfalls. Sie alle haben sich auf dieses außergewöhnliche Theaterexperiment eingelassen.
Am 13. September ist die Kölner Schauspielerin und Aktivistin Saha Angourani an der Reihe.
Und sie weiß selbst noch nicht, was sie erwartet.
Denn bei „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ gibt es keine Proben und keine Regie. Die Schauspielerin kennt weder den Text noch den Verlauf des Abends. Sie erhält das Manuskript erst auf der Bühne, unmittelbar vor dem Publikum. Was passiert, passiert zum ersten und einzigen Mal: Lesen, Spielen, Reagieren und Entscheiden.
Der Text führt sie durch eine Geschichte über Vertrauen, Macht, Gehorsam und die Frage, wie frei unsere Entscheidungen tatsächlich sind. Mal absurd und humorvoll, mal irritierend und persönlich, entwickelt sich vor den Augen des Publikums ein einmaliger Abend, der sich so nie wiederholen lässt. Denn nach ihrem Auftritt kennt Saha den Inhalt des Texts und darf somit das Stück nie wieder spielen.
Ein weltweites Theaterphänomen
Hinter diesem ungewöhnlichen Konzept steht die bewegende Geschichte des iranischen Autors Nassim Soleimanpour. Weil er den Wehrdienst verweigerte, wurde ihm der Reisepass entzogen und er durfte den Iran nicht verlassen.
In seiner Isolation vertraute er auf die transformative Kraft des Theaters und schrieb ein Stück, das an seiner Stelle um die Welt reisen und mit dem Publikum in den Dialog treten sollte. Sein Plan ging auf, denn seit der Uraufführung im Jahr 2011 wurde das Werk in 30 Sprachen übersetzt und in 50 Ländern über 3.000 Mal gespielt. Nun kommt dieses außergewöhnliche Theatererlebnis nach Köln.
Inhalt und Experiment
Die Unkenntnis über Text macht das Stück nicht nur formal zu einem radikalen Theaterexperiment. Auch inhaltlich wird das Publikum Teil eines metaphorischen Kaninchenexperiments.
Inhaltlich ist das Stück eine hochspannende Mischung aus Unterhaltung, psychologischem Experiment und politischer Parabel. Soleimanpour verfasste den Text als eine Art „Flaschenpost“ und nutzt darin die Stimme der Schauspieler:in, um Themen wie Freiheit, Zensur und die Verweigerung individueller Entscheidungen unter einem autoritären Regime zu untersuchen.
Warum sind die Regeln des Autors so streng aufgestellt?
Genau hier beginnt das kluge Spiel des Autors über Macht, Manipulation und Gehorsam. Schon jetzt halten wir uns an seine Regeln, noch bevor wir das Stück überhaupt gesehen haben. Ihr kauft euch ein Ticket für ein Stück, das davon lebt, so gut wie möglich geheim zu bleiben. Ihr vertraut uns, aber vielleicht werdet ihr an diesem Abend zu Kompliz:innen, wer weiß?
Das bedeutet für uns alle einen echten Sprung ins kalte Wasser. Denn wir haben genauso wenig Ahnung, was passieren wird, wie ihr.
Kommt vorbei und lasst uns dieses Experiment gemeinsam wagen.
Datum: 13.09.2026
Einlass 17:30 Uhr | Beginn: 18:00 Uhr
Ort: Saal im Allerweltshaus Köln
„Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ mit Saha Angourani
anschließend Publikumsgespräch „Jin, Jiyan, Azadî. Und jetzt?“
Mehr Infos hier: https://theatercolonia.de/weisseskaninchenroteskaninchen/
Der Gewinn aus diesem Projekt fließt in gemeinnützige Projekte, an Woman Life Freedom Unity für ihr Projekt „Nie wieder leise“ sowie in den Kurzfilm „KATÝ: ein Tag im Leben einer jungen Iranerin“.
Zuletzt abgerufen: 11.09.2026, 14:19
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